Angenommen, dein Problem wäre über Nacht gelöst: Woran würdest du es merken? Die Wunderfrage lenkt den Blick vom Problem auf die Lösung. Du beschreibst den Tag danach, suchst, was davon heute schon da ist, und findest ein erstes kleines Zeichen, dass es vorangeht.
Du kannst direkt loslegen. Plane zehn bis fünfzehn Minuten ein. Die Erklärung zur Methode findest du unter dem Tool.
Was ist die Wunderfrage?
Die Wunderfrage stammt aus der lösungsfokussierten Kurztherapie, die Steve de Shazer und Insoo Kim Berg entwickelt haben. Sie lautet sinngemäß: Stell dir vor, heute Nacht geschieht ein Wunder, und das Problem ist gelöst. Weil du geschlafen hast, weißt du nichts davon. Woran merkst du es am nächsten Morgen?
Der Umweg über das Wunder hat einen Grund. Wer lange in einem Problem steckt, kann meist genau sagen, was nicht stimmt, aber kaum, wie es stattdessen sein soll. Die Frage überspringt das „Wie soll das gehen?“ und macht den Blick frei für ein konkretes Bild.
Wann hilft dir die Wunderfrage?
- Wenn du nur das Problem siehst: und keine Vorstellung hast, wie es anders wäre.
- Wenn ein Ziel noch unklar ist: als Vorstufe zum SMART-Ziel-Check.
- Bei Mutlosigkeit: weil die Methode zeigt, was schon da ist.
- In festgefahrenen Situationen: wenn Analysieren nicht mehr weiterführt.
So gehst du vor
- Anliegen nennen: Was beschäftigt dich?
- Das Wunder beschreiben: Woran merkst du es als Erstes, und was tust du an diesem Tag anders?
- Der Blick der anderen: Wer bemerkt die Veränderung, und woran?
- Was schon da ist: Wann war es zuletzt ein kleines bisschen so? Wo stehst du heute zwischen 0 und 10?
- Erstes Zeichen: Woran würdest du merken, dass du einen Punkt weiter bist?
- Auswertung lesen: Dein Wunder, das, was schon da ist, und dein nächster Schritt.
Warum das Tool nach Ausnahmen fragt
Das Wunder zu beschreiben ist nur die halbe Methode. Entscheidend ist die Frage danach: Wann war es schon einmal ein bisschen so? Kaum ein Wunder beginnt bei null. Diese Ausnahmen zeigen, was du bereits kannst, und daraus lässt sich ein kleiner Schritt ableiten. Du musst das Wunder nicht herbeiführen. Es reicht, einen Punkt weiterzukommen.
So liest du die Auswertung
Die Auswertung stellt drei Dinge nebeneinander: den Tag nach dem Wunder, das, was davon schon da ist, und deinen Standort auf der Skala. Hervorgehoben ist dein erstes Zeichen. Es sollte klein, sichtbar und von dir selbst machbar sein. Wenn es nach einem großen Vorhaben klingt, teile es weiter.
Typische Fehler
- Beschreiben, was fehlt: „Ich bin nicht mehr gestresst“ ist kein Bild. Was tust, fühlst und sagst du stattdessen?
- Andere müssen sich ändern: Ein Wunder, in dem nur der Chef anders ist, lässt dir nichts zu tun. Was machst du dann anders?
- Zu abstrakt bleiben: „Ich bin glücklich“ hilft wenig. Woran würde man es sehen?
- Die Ausnahmen überspringen: Ohne sie bleibt das Wunder ein Wunschbild.
Die Wunderfrage im Coaching einsetzen
Im Gespräch lebt die Wunderfrage von Langsamkeit. Sie wird ruhig gestellt, mit Pausen, und danach wird geduldig nachgefragt: „Und was noch?“ Die Antworten werden mit jeder Runde konkreter. Den Standort am Ende vertieft die Skalierungsfrage. Für den ersten Schritt eignet sich der Wenn-Dann-Plan.
Was passiert mit deinen Angaben?
Alles, was du einträgst, bleibt in deinem Browser gespeichert. Es wird nichts an uns oder an Dritte übertragen. Du kannst später auf demselben Gerät weitermachen und jederzeit neu starten.
Die Wunderfrage dient der Selbstreflexion. Sie ersetzt kein Coaching und keine therapeutische Begleitung.
Weitere Methoden zum Thema „Ziele umsetzen“
- Eisenhower-MatrixWenn alles gleichzeitig drängt, hilft eine einfache Unterscheidung: wichtig oder dringend. Du sammelst deine Aufgaben, ordnest sie in vier Felder und legst für jedes Feld fest, was du damit tust.
- Fortschritts-CheckZiele scheitern selten am ersten Tag, sondern in Woche drei. Du hältst in fünf Minuten fest, wo du stehst, was funktioniert hat und was du anpasst. Mit jedem Check wächst dein Verlauf, und du siehst früh, wann du nachjustieren musst.
- Gewohnheits-PlanerNeue Gewohnheiten scheitern selten am Wollen, sondern daran, dass sie zu groß anfangen. Du machst deine Gewohnheit so klein, dass sie immer klappt, knüpfst sie an einen festen Auslöser und planst, was du tust, wenn etwas dazwischenkommt.