Konflikte eskalieren in Stufen, und auf jeder Stufe hilft etwas anderes. Du markierst, was in deinem Konflikt gerade zutrifft, siehst die Einordnung auf den neun Stufen nach Glasl und erfährst, ob ihr es noch selbst lösen könnt oder Hilfe von außen braucht.
Du kannst direkt loslegen. Plane etwa zehn Minuten ein. Die Erklärung zur Methode findest du unter dem Tool.
Was sind die Eskalationsstufen nach Glasl?
Der Konfliktforscher Friedrich Glasl hat beschrieben, wie Konflikte sich in neun Stufen verschärfen. Er zeichnet sie als Treppe, die nach unten führt: Mit jeder Stufe gehen Möglichkeiten verloren, die es vorher noch gab. Die Stufen bilden drei Phasen.
- Stufe 1 bis 3, beide können noch gewinnen: Verhärtung, Debatte und Polemik, Taten statt Worte.
- Stufe 4 bis 6, einer gewinnt, einer verliert: Lager und Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohstrategien.
- Stufe 7 bis 9, beide verlieren: begrenzte Schläge, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund.
Wann hilft dir die Einordnung?
- Wenn ein Konflikt sich zuspitzt: und du wissen willst, wie ernst es ist.
- Vor der Frage, ob ihr Hilfe braucht: Gespräch, Moderation, Mediation oder eine entscheidende Instanz.
- Als Führungskraft: um zu entscheiden, wann du in einen Teamkonflikt eingreifst.
- In der Mediation: zur Auftragsklärung und um zu prüfen, ob Mediation das passende Verfahren ist.
So gehst du vor
- Konflikt nennen: Worum geht es, und wer ist beteiligt?
- Merkmale markieren: Welche der sechzehn Aussagen beschreiben den Konflikt heute?
- Einordnung ansehen: Die Stufe, ihre Beschreibung und die Phase.
- Nächsten Schritt festlegen: Das Tool nennt, was in dieser Phase hilft. Du entscheidest, was du tust.
- Auswertung lesen: Dein Konflikt auf der Treppe, die markierten Merkmale und dein nächster Schritt.
Wie das Tool einordnet
Maßgeblich ist die höchste Stufe, von der du ein Merkmal markiert hast. Das entspricht der Logik des Modells: Ist eine Grenze einmal überschritten, etwa durch eine öffentliche Bloßstellung, prägt das den Konflikt, auch wenn sonst noch viel geredet wird. Markierst du ein Merkmal einer hohen Stufe und keines der Stufen davor, fragt das Tool nach, weil Konflikte selten Stufen überspringen.
So liest du die Auswertung
Die Einordnung ist deine Einschätzung aus einer Perspektive. Die andere Seite sieht den Konflikt womöglich auf einer anderen Stufe. Nimm das Ergebnis als Hinweis auf die Art der Hilfe: In der ersten Phase lässt sich meist aus eigener Kraft etwas lösen. In der zweiten wird es ohne eine neutrale dritte Person schwer. In der dritten braucht es jemanden, der entscheiden oder eingreifen kann.
Typische Fehler
- Befürchtungen markieren: Entscheidend ist, was tatsächlich geschieht, nicht, was du kommen siehst.
- Zu lange allein weitermachen: Ab der zweiten Phase verschärft jeder weitere Versuch im alten Muster den Konflikt.
- Die Stufe als Urteil über die andere Seite lesen: Eskalation ist etwas, das zwischen beiden entsteht.
- Eigene Anteile ausblenden: Die Frage, was du selbst beigetragen hast, öffnet den Weg zurück.
Die Eskalationsstufen in Mediation und Coaching einsetzen
Für Mediatorinnen und Mediatoren ist das Modell ein Werkzeug der Auftragsklärung. Glasl ordnet jeder Stufe passende Formen der Hilfe zu, von der Moderation über die Mediation bis zum Machteingriff. Im Coaching hilft die Einordnung, einen Konflikt nüchterner zu sehen und die eigene Rolle zu prüfen. Für die frühen Stufen eignen sich der Perspektivwechsel, Positionen und Interessen und die Ich-Botschaft.
Was passiert mit deinen Angaben?
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Das Tool dient der Orientierung. Es ersetzt keine Mediation und keine Rechtsberatung. Bei Bedrohung oder Gewalt wende dich bitte an die Polizei oder eine Beratungsstelle.
Weitere Methoden zum Thema „Konflikte verstehen“
- EisbergmodellSichtbar ist nur das Verhalten. Was es antreibt, liegt unter der Wasserlinie: Gefühle, Bedürfnisse und Werte. Trage ein, was du siehst, und tauche dann Ebene für Ebene ab.
- Ich-BotschaftEin Vorwurf erzeugt Abwehr, eine Ich-Botschaft öffnet das Gespräch. Du formulierst in vier Schritten: was du beobachtet hast, was du fühlst, was du brauchst und worum du bittest. Das Tool setzt daraus einen Satz zusammen und prüft ihn auf versteckte Vorwürfe.
- PerspektivwechselDu betrachtest einen Konflikt oder ein schwieriges Gespräch aus drei Positionen: aus deiner eigenen, aus der deines Gegenübers und aus der einer unbeteiligten Beobachterin. Danach kehrst du mit neuen Informationen zu dir zurück.