Positionen und Interessen

In Konflikten streiten Menschen über Forderungen und übersehen, wofür sie die Forderung brauchen. Mit diesem Tool trennst du für beide Seiten Position und Interesse, siehst, was sich vereinbaren lässt, und sammelst Lösungen, die beiden gerecht werden.

Du kannst direkt loslegen. Plane fünfzehn bis zwanzig Minuten ein. Die Erklärung zur Methode findest du unter dem Tool.

Was sind Positionen und Interessen?

Die Unterscheidung stammt aus dem Harvard-Konzept, das Roger Fisher und William Ury in ihrem Buch „Getting to Yes“ beschrieben haben. Die Position ist das, was jemand fordert. Das Interesse ist der Grund dahinter: ein Bedürfnis, eine Sorge, ein Wunsch.

Bekannt ist das Beispiel der zwei Schwestern, die um eine Orange streiten. Beide fordern die ganze Frucht. Erst die Frage nach dem Wofür zeigt: Die eine will den Saft trinken, die andere braucht die Schale zum Backen. Positionen schließen sich oft aus. Interessen tun das viel seltener. Dieser Schritt ist das Herzstück jeder Mediation.

Wann hilft dir das Tool?

  • Vor einem schwierigen Gespräch: um zu wissen, worum es dir wirklich geht.
  • In einer festgefahrenen Verhandlung: wenn beide nur noch ihre Forderung wiederholen.
  • Bei einem Dauerstreit: im Team, in der Familie, mit Nachbarn.
  • Als Mediatorin oder Mediator: zur Vorbereitung oder als gemeinsame Arbeitsfläche mit den Parteien.

So gehst du vor

  1. Konflikt und Seiten benennen: Worum geht es, und wer sind Seite A und Seite B?
  2. Positionen: Was fordert jede Seite?
  3. Interessen von Seite A: Wofür ist ihr die Forderung wichtig?
  4. Interessen von Seite B: dieselbe Frage für die andere Seite.
  5. Vergleich: Teilt die andere Seite das Interesse, stört es sie nicht, oder steht es im Widerspruch?
  6. Lösungen: Ideen, die die wichtigsten Interessen beider Seiten erfüllen.
  7. Auswertung lesen: Positionen, geordnete Interessen und Lösungsideen im Überblick.

Warum das Tool die Interessen sortiert

Im Vergleich ordnest du jedes Interesse in eine von drei Gruppen. Gemeinsame Interessen sind der Ausgangspunkt jeder Lösung. Vereinbare Interessen will eine Seite, ohne dass es die andere etwas kostet. Hier liegt der Stoff für Tauschgeschäfte. Nur für die gegensätzlichen braucht es Maßstäbe, die beide als fair anerkennen. In den meisten Konflikten ist diese dritte Gruppe kleiner, als der Streit vermuten lässt.

So liest du die Auswertung

Das Tool zählt, wie viele Interessen sich vereinbaren lassen. Steht keines im Widerspruch, liegt der Konflikt in den Positionen, nicht in dem, was beide brauchen. Überwiegt der Gegensatz, hilft eine neutrale dritte Person. Beachte dabei: Was du für die andere Seite eingetragen hast, sind Vermutungen. Sicher weißt du es erst, wenn du fragst.

Typische Fehler

  • Forderungen als Interessen ausgeben: „Dass sie pünktlich ist“ ist eine Position. Das Interesse dahinter wäre Verlässlichkeit.
  • Zu früh aufhören zu fragen: Die Frage „Und wofür ist das wichtig?“ lohnt sich meist dreimal.
  • Der anderen Seite schlechte Motive unterstellen: „Sie will mich ärgern“ ist kein Interesse. Was könnte sie brauchen?
  • An der eigenen Position festhalten: Eine gute Lösung erfüllt dein Interesse, auch wenn sie anders aussieht als deine Forderung.

Das Tool in Mediation und Coaching einsetzen

In der Mediation entspricht das Tool der Phase der Interessenklärung. Es lässt sich gemeinsam am Bildschirm ausfüllen, wobei jede Partei ihre Interessen selbst nennt. Im Coaching dient es der Vorbereitung auf ein Konfliktgespräch. Was hinter dem Verhalten der anderen Seite liegen könnte, zeigt das Eisbergmodell. In ihre Lage versetzt dich der Perspektivwechsel. Für die Gesprächseröffnung eignet sich die Ich-Botschaft.

Was passiert mit deinen Angaben?

Alles, was du einträgst, bleibt in deinem Browser gespeichert. Es wird nichts an uns oder an Dritte übertragen. Du kannst später auf demselben Gerät weitermachen und jederzeit neu starten.

Das Tool dient der Vorbereitung und Selbstreflexion. Es ersetzt keine Mediation und keine Rechtsberatung.

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