Perspektivwechsel

Wie sieht die Situation von der anderen Seite aus? Beim Perspektivwechsel betrachtest du einen Konflikt oder ein schwieriges Gespräch aus drei Positionen: aus deiner eigenen, aus der deines Gegenübers und aus der einer unbeteiligten Beobachterin. Danach kehrst du mit neuen Informationen zu dir zurück.

Du kannst direkt loslegen. Plane etwa fünfzehn Minuten ein. Die Erklärung zur Methode findest du unter dem Tool.

Was ist der Perspektivwechsel?

In einem Konflikt sehen wir die Situation fast nur aus der eigenen Sicht. Der Perspektivwechsel führt dich bewusst durch drei Wahrnehmungspositionen, wie sie aus dem NLP und der systemischen Arbeit bekannt sind:

  • Ich: Was sehe und höre ich, was fühle ich, was ist mir wichtig?
  • Du: Du versetzt dich in die andere Person und beantwortest dieselben Fragen in der Ich-Form für sie.
  • Beobachter: Eine unbeteiligte, wohlwollende Person schaut auf beide. Was passiert zwischen ihnen, welches Muster wiederholt sich?

Es geht nicht darum, der anderen Person recht zu geben. Verstehen heißt nicht einverstanden sein. Es gibt dir aber mehr Möglichkeiten, das nächste Gespräch zu führen.

Wann hilft dir der Perspektivwechsel?

  • Bei festgefahrenen Konflikten: wenn sich dieselbe Auseinandersetzung immer wiederholt.
  • Vor einem Klärungsgespräch: um vorbereitet zu sein auf das, was der anderen Person wichtig sein könnte.
  • Wenn dich ein Verhalten ratlos macht: wenn du dir nicht erklären kannst, warum jemand so handelt.
  • Nach einem misslungenen Gespräch: um zu verstehen, was schiefgelaufen ist, bevor du es noch einmal versuchst.

So gehst du vor

  1. Situation beschreiben: Was ist passiert, und wer war beteiligt? Dazu schätzt du ein, wie gut du im Moment verstehst, warum die andere Person so handelt.
  2. Deine Sicht: Was siehst und hörst du, was fühlst du, was brauchst du?
  3. In den Schuhen der anderen Person: Du beantwortest dieselben Fragen, als wärst du sie.
  4. Der Blick von außen: Was passiert zwischen den beiden, welches Muster zeigt sich, was würdest du beiden raten?
  5. Zurück zu dir: Was ist dir neu aufgefallen, und was willst du anders machen? Du schätzt dein Verständnis noch einmal ein.
  6. Auswertung lesen: Alle drei Blickwinkel nebeneinander, deine Erkenntnis und der Vergleich vorher und nachher.

Den Platz wirklich wechseln

Die Methode wirkt deutlich stärker, wenn du für jede Position tatsächlich den Platz wechselst: ein anderer Stuhl, eine andere Ecke im Raum. Das klingt nach einer Kleinigkeit, hilft aber, wirklich umzuschalten, statt aus der eigenen Sicht über die andere Person nachzudenken.

Was du in der zweiten Position einträgst, bleibt eine Vermutung. Du kannst nicht wissen, was in jemand anderem vorgeht. Du machst aber deine Annahmen sichtbar und kannst sie im Gespräch überprüfen.

So liest du die Auswertung

Die Auswertung stellt die drei Sichtweisen nebeneinander und vergleicht dein Verständnis vor und nach der Übung. Ist es gewachsen, hast du neue Ansatzpunkte für das Gespräch. Ist es gleich geblieben, fehlt dir vielleicht eine Information, die nur die andere Person dir geben kann. Sinkt es, ist dir beim Hinsehen klarer geworden, was dich stört. Auch damit lässt sich arbeiten.

Typische Fehler

  • In der zweiten Position über die Person schreiben: „Sie will nur recht behalten“ ist deine Sicht. Schreib in der Ich-Form, als würdest du für sie sprechen.
  • Der Beobachter ergreift Partei: Die dritte Position ist wohlwollend gegenüber beiden.
  • Verallgemeinern: Bleib bei der einen konkreten Situation statt bei „immer“ und „nie“.
  • Vermutungen für Wissen halten: Das Ergebnis ersetzt das Gespräch nicht, es bereitet es vor.

Den Perspektivwechsel in Coaching und Mediation

Im Coaching ist der Perspektivwechsel eine klassische Intervention bei Konflikten mit Vorgesetzten, Kolleginnen oder in der Familie. Mit Stühlen im Raum oder Bodenankern lässt er sich körperlich erfahrbar machen, das Tool hält dabei fest, was in jeder Position auftaucht. Als Coach achtest du darauf, dass der Coachee in der zweiten Position wirklich umsteigt und nicht aus der eigenen Sicht kommentiert.

In der Mediation eignet sich die Übung als Vorbereitung im Einzelgespräch, bevor die Parteien gemeinsam am Tisch sitzen.

Was passiert mit deinen Angaben?

Alles, was du einträgst, bleibt in deinem Browser gespeichert. Es wird nichts an uns oder an Dritte übertragen. Du kannst später auf demselben Gerät weitermachen und jederzeit neu starten.

Der Perspektivwechsel dient der Selbstreflexion. Er ersetzt kein Coaching, keine Mediation und keine therapeutische Begleitung.

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